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Durch das schöne, touristische Ostafrika...
Die Matatufahrer (Matatu = Sammeltaxi) scheinen mir tatsächlich schlecht gesinnt zu sein. Beim Verlassen Nairobis musste ich Bob schon wieder unter dem Schrotthaufen eines rücksichtslosen Verkehrsteilnehmers hervorziehen. Endlich war ich Richtung Süden unterwegs, zum Dach von Afrika, dem Kilimanjaro. Zuvor hatte aber ein anderer Berg mein Interesse geweckt. Der aktive Vulkan Ol Doinyo Lengai wird vom Stamm der Massai als heiliger Berg verehrt. Noch in Kenia, 150 km entfernt, “brrruummm” hiess mich der Gott willkommen. Auf meinen fragenden Blick zum Schütteln der Erde meinte mein Massai-Fotomodell gelassen: „Ol Doinyo, Ol Doinyo“, und zeigte nach Südwesten. Einen Tag später sah ich den 1800 Meter hohen perfekten Kegel im Abendlicht. Um neue Informationen zu kriegen, pedalte ich um den Berg zum Lake-Natron-Camp. Das deutsche Managerpaar teilte mir mit, dass der Berg erst seit kurzem ruhig sei. Sie lassen im Moment keine Gäste hinauf denn ihre Guides müssen erst einen neuen Pfad suchen, da der alte beim letzten Ausbruch verschüttet worden war. Sofort bot ich meine Arbeitskraft an - eine Möglichkeit jemandem zu helfen um die klassische Guide-Tourist-Situation vermeiden zu können. Da wir kein Auto hatten (befand sich mit dem defekten Generator in Arusha, zudem in einen Unfall verwickelt) und sonst keiner ein Fahrrad besass, verstrichen die ersten Tagen ungenutzt. Dann begann der Gott trotz Ziegenopfer wieder zu zürnen. Im Zweistundentakt stiegen Rauch- und Aschewolken in den Himmel. Als sich in der Nacht die Kuppe in einen Zuckerstock verwandelte, gab auch ich die Hoffnung auf. Nach zehn Tagen warten bzw. Salzsee, Wasserfälle, Flamingos besuchen und nach vielen spannenden Overlander Geschichten, schwang ich mich wieder aufs Rad. Da es in diese raue Gegend mit ruppigen Strassen nicht jeden Tag einen Transafrika-Biker verschlägt, wurde ich bei den Camps und Lodges nicht selten als Ehrengast empfangen, kostenlos verpflegt und beherbergt. Spätestens auf der Arusha-Serengeti Achse - auf einer der beiden Ost-West Transversalen in Tansania -mit einem unglaublichen Aufkommen von finanzstarken Touristen fiel ich nur noch mit meinem Gefährt ein wenig auf und nicht mehr ins Gewicht. 70% der mich passierenden Fahrzeuge waren Safari-Jeeps Bevor ich nach Arusha abzweigte, machte ich meine schlimmste ausbeuterischste Erfahrung beim Besuch der Hazabe und Tatoga. Vor allem die Hazabe (Buschmänner) verweigern die Anpassung an den Fortschritt. Sie leben traditionell und jagen mit Pfeil und Bogen. Kurz nach dem Lospedalen gab es bereits einen Stopp. Der Guide ging die Geschenke kaufen. Marihuana, wie ich später roch, auch mit Alkohol wird bezahlt. Der Insidertipp war leider keiner mehr, die Buschmänner werden lokaltouristisch ausgebeutet. Täglich kommen Besucher. Die traditionellen Lederkleider hatten sie mit den amerikanischen Touristen gegen Shorts getauscht. Zudem sind die Männer von den Geschenken gezeichnet. Die Guides geben natürlich einen Bruchteil der 50 USD weiter die sie normalen Touristen abknöpfen. Den Trick ahnend, fragte ich meinen Führer, wie viel er weitergebe. 5000 Shilling (5sFr), einen Drittel des von mir verlangten. Er schrie gerade zu auf, als ich das Oberhaupt des Stammes direkt bezahlte. Hoffnung Erfolg zu haben, hatte ich wenig. Da sich die Hazabe jeglicher Schulbildung verweigern, wird er ziemlich sicher vom nächsten Guide wieder um das Geld betrogen. Bei den Tatoga ging ich gleich vor und "my Friend" wurde noch wütender, schauten jetzt für ihn ebenfalls nur noch 5000 ThS. heraus. Immerhin, der tägliche Mindestlohn lag 2007 bei 1600 ThS. Angewidert, ihm die Leviten lesend, bezahlte ich ihm das Versprochene und verschwand. Dies ein extremes Beispiel, wie es zu meiner Gudie-Abneigung gekommen ist... Als ich nach Arusha kam, hatte ich drei Einladungen, und eine Adresse gesammelt. Zudem durfte ich das leer stehende Haus des Lake-Natorn- Camp-Managers benützen. 110 km Gegenwind hatten mich geschafft und so stoppte ich beim Eindunkeln 5 km vor Arusha bei einer Schweizer Kaffeeplantage, der Adresse. Freundlich wurde ich von den Wächtern hereingelassen und vom Gärtner zum prächtigen Haus inmitten eines wunderschönen riesigen Gartens geführt. Erst jetzt machte er mir klar, dass der Besitzer mit seiner Familie gar nicht da ist. Hmmm… da es spät war, fragte ich für einen Platz, um das Zelt aufstellen zu können. “No, no, guesthouse, guesthouse”. So wurde ich auf einem fremden Gut einquartiert und bewirtet wie ein alter Freund. Als ich den Besitzer nicht einmal per Telefon erreichen konnte, wurde es definitiv peinlich und am folgenden Tag einfach davon fahren konnte ich schon gar nicht mehr. Alex verstand zum Glück die verzwickte Situation, warf mich nicht aus dem Gästehaus und organisierte sogar das erneute Schweissen des Fahrradanhänger-Bodens. Wieder befand ich mich am Fuss eines Berges, dem Dach Afrikas, dem Kilimanjaro. Wieder wollte ich gerne hoch. An jeder Ecke auf der Fahrt durch Arusha wollte mich einer aufhalten und pries sein noch günstigeres und besseres Angebot. Ich stellte mir die Toubkal-Massen auf den ausgetrampelten Pfaden vor, dachte wehmütig an die geniale, einsame Ruwenzori - Besteigung und entschied mich gegen einen Aufstieg. Dafür fuhr ich um den Berg herum, ein Abenteuer, das sicher weniger Leute in Angriff nehmen. Am zweiten Tag hatte ich einer meiner schlimmsten Verfahrer und erreichte mit dem Fahrrad beinahe die Schneegrenze. Für einmal war ich dankbar, dass mir ein Tor zum Nationalpark den Weg versperrte. Mehr als auf dem Ruwenzori hätte ich wohl auch nicht gesehen. Der Berg hüllte sich ebenfalls dauernd in Wolken. Durch die Usambar Mountains machte ich mich auf den Weg Richtung Sansibar. Weg vom öden, dürren, stachligen Massailand fühlte ich mich 10 km später und 1200 Meter höher zurück ins grüne, überbevölkerte Ruanda versetzt. Ich traf auf verschiedene, aus den grossen Sisalzeiten zurückgebliebene Schweizer, die mich jeweils weitervermittelten. Der eine macht Käse, Joghurt und Eis, der andere führt ein Restaurant, der dritte ist Werkstattchef auf einer Plantage… Leute, die 20, 30 Jahre im Land wohnen, wissen spannende Geschichten zu erzählen und können über Veränderungen und Trends berichten. In Tanga wurde ich von zwei deutschen Kindern nach Hause gezerrt. Sie hatten schon oft Camper im Garten gehabt. Wieder einmal verlängerte sich der Besuch und als die wöchentliche Fähre nach Sansibar ablegte, war der PC neu aufgesetzt aber noch nicht alle Treiber und Software beschafft. Am Wochenende wurde ich von einer deutschen Naturschützerin und Inselbesitzerin zum Swim-walk eingeladen. Mit der Springflut liess sich die kleine deutsche Gruppe beinahe mit Aaregeschwindigkeit durch die Mangrovenwälder landeinwärts treiben. Tags darauf segelten wir mit ihrem Katamaran zu Korallenriffen, zum Schnorcheln. Ich hätte nie geahnt, dass diese vielfarbigen Pflanzen und Fische so konzentriert auf engstem Raum zu finden sind. Die Überfahrt ins Ferienparadies Sansibar war ein Abenteuer für sich. Hier klicken zur Kurzgeschickte. Türkisblaues Meer, weisser, feinster Sandstrand, Kokospalmen, 28°C Wassertemperatur und trotzdem konnte ich nur bedingt geniessen. Zu viele coole sonnenbebrillte “Hey man what’s up” machten den Strand unsicher. Noch beim Springen durch die Wellen galt es die Beachboys und das Fahrrad im Auge zu behalten. Das Kitesurfen war noch viel teurer als die Nationalparkgebühren und an jedem Früchtestand der Kampf, um nicht den Muzungu-Preis bezahlen zu müssen, endlos. Fürs Leben gerne hätte ich Beachvolley gespielt, wurde aber von den Askaris vehement aus dem Touristenressort verjagt. Zufälligerweise war in der Sansibar Stonetown gerade das Sauti-za-Busara - Musikfestival im Gange. Bands aus ganz Afrika gaben im 40 Minuten Takt ihre unterschiedlichste Musik zum Besten. Das Publikum war übrigens zu 2/3 weiss… Mit einer offiziellen Fähre, in welcher mir das 2. Klassefahren verweigert wurde, setzte ich den Fussballfinal des Africa Cups schauend, nach Dar es Salaam über. zu den Bildern |