|
Auf den Ruwenzori, den dritthöchsten Berg Afrikas...
Bereits waren wir mehr als 20 Tage im Kongo unterwegs, hatten Fahrrad, Körper und Geist aufs äusserste beansprucht. Und trotzdem war uns nicht nach Ruhe zu Mute, führte unsere Strecke doch gleich am Fusse des Ruwenzori-Gebirges mit dem Margerita-Peak, dem mit 5109m dritthöchsten Berg Afrikas, vorbei. In Beni suchten wir den Parkdirektor auf und fixierten den Preis für die Gipfelbesteigung auf 120 USD pro Person + Hüttengebühr. Verglichen mit den 500 USD in Uganda ein Schnäppchen. Als wir einen Tag später in Mutwanga eintrafen, dem Dorf am Fusse des Berges, war selbstverständlich alles etwas anders. Dies führte zu einer riesigen Diskussion. Doch am Ende setzten wir uns durch und durften uns auf die Bergtour vorbereiten. Zum Glück hatten die Mäuse noch nicht ganz alles nagelneue, von Franzosen gespendete Klettermaterial gefressen und wir rüsteten uns mit Faserpelz, Rucksack, Klettergurt, Karabiner, Steigeisen, Seil und Bergschuhen aus. Mit neuen Schuhen auf eine Bergtour, dazu noch gleich 6 Tage, ist eine Schnapsidee, aber es war nun einmal nicht zu ändern. Leider war es verboten, ansonsten wären wir sicher ohne Führer gestartet. Immerhin die Träger konnten wir ablehnen und erklärten uns auch bereit unserem Guide das Essen zu tragen, da er sonst einen Privatträger gebraucht hätte. Dass ein kongolesischer Bergführer nicht gerade mit einem Schweizer Berufskollegen verglichen werden darf, ist uns schon bewusst. Doch etwas eigenartig war schon, als der Chef des Parks uns fragte, ob wir nicht unseren Führer im Schnee ausbilden könnten. Wir beschlossen, noch bevor wir nur einen Schritt gemacht hatten, ihn in der letzten Hütte zurückzulassen, denn ihn mit hochzunehmen, hätte uns weitere 50 USD gekostet. Er selber war über diesen Entscheid erleichtert, fürchtete er sich doch vor den Geistern auf dem Gipfel! Uns ging es genau so: da er die Gummistiefel den Bergschuhen vorzog, wäre er auf dem Gletscher ein beträchtliches Sicherheitsrisiko geworden. Mutwange liegt auf ca. 1000m über Meer, von dort ging es 3 Tage lang fast nur bergauf. Anfangs wanderten wir durch Bananenplantagen, danach folgte ein Stück dichter Urwald wo wir leider auf keinen in diesem Nationalpark gehüteten Schimpansen trafen. Dafür entschärften wir zwei für sie gestellte Fallen. Je nach Höhe änderte sich die Vegetation enorm: kleine Seen, Mooslandschaften, Bambus- oder Kakteenwälder… und überall Wurzeln und nochmals Wurzeln. Gerade oft war dieser Pfad in der letzten Zeit nicht begangen worden und somit war sein Zustand nicht der beste. Meist folgte er genau dem Gradienten entlang nach oben, der Rucksack drückte bei jeder der riesigen Stufen schwer in die Gegenrichtung und am Abend fühlte sich der Oberkörper an, wie nach einer heftigen Prügelei. Die Füsse schmerzten vom ersten Tag an und alle vier hatten irgendwo mindestens eine Blase. Schlimmer wurde es nach dem zweiten Tag, als es so stark regnete, dass wir von Kopf bis Fuss komplett nass waren und in den Schuhen nur noch schwammen. Am 4ten Tag starteten wir um 5 Uhr morgens von der obersten Hütte aus Richtung Gipfel. Das Wetter war schlecht. Wie schon die Tage zuvor, verdeckten uns Nebelschwaden die Sicht, zudem blitzte und donnerte es in der näheren Umgebung. Was in den Alpen ein Zeichen zur Umkehr ist, ist am Ruwenzori (übersetzt „der Berg der den Regen macht“) unvermeidlich. Durch eine Geröllhalde und über rutschige Felsplatten stiegen wir hoch. Die Steinmänner verschwanden im Nebel und wir mussten unseren eigenen Pfad suchen, den Gedanken, dass wir hier auch wieder runter müssen, verdrängten wir. Auf dem Gletscher kamen wir schneller vorwärts Richtung Passhöhe, wo wir nach Wegbeschrieb des Führers gegen rechts drehen sollten. Dass dies falsch ist, wussten wir noch an Hand eines Bildes, welches wir vom Ruwenzori gesehen hatten. Doch dass auch alle (!) anderen Angaben die er gemacht hatte, komplett falsch waren, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Direkt über den Grat stiegen wir dem Gipfel zu, bis wir 50m unterhalb vor einem unüberwindbaren Abgrund standen. Wir fluchten und kehrten um, machten die ganze Felsgratkletterei zurück ein zweites Mal vergebens. 3 Stunden waren bei diesem Umweg draufgegangen und trotzdem entschieden wir uns einen zweiten Versuch über eine andere Route zu wagen. Um 11 Uhr waren wir endlich oben und genossen die 5 Meter Aussicht in den Nebel. Ohne Karte, ohne Routenbeschrieb, ohne Sicht und im mittlerweile eingesetztem Regen, ging es wieder dem Tal zu. Zuerst über den Gletscher, danach stolperten und rutschten wir die Felsplatten runter und wenn in einer „Sackgasse“ gefangen, auch wieder rauf... da wir nur mühsam vorwärts kamen, stand uns eine weitere Nacht auf 4500m bevor, eine zweite Nacht bei 0 Grad mit unseren hauchdünnen Sommerschlafsäcken. Weitere 1,5 Tage Abstieg, mit noch immer schwerem Rucksack und den Füssen voller Blasen, war eher eine Tortur, doch wurden wir nochmals entschädigt mit einer wunderschönen Wanderung durch eine einmalige Pflanzenwelt. |