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Anreise nach Bangui PDF  | Print |
Written by Urs Guggisberg   
Thursday, 06 September 2007
Gefangen im öffentlichen Transportmittel, den Beamten ausgeliefert...

Während meiner Asien-Tour mit dem Fahrrad habe ich immer gesagt: Wäre ich mit dem Flieger nach Indien oder China gereist, wäre ich nach einer Stunde auf der Strasse, zum Flughafen zurückgekehrt und wegen Kulturschock sofort wieder heimgeflogen.
Nun war ich mit dem Flieger unterwegs nach Yaounde, (Hauptstadt von Kamerun),viel zu schnell um mich anpassen zu können. Der Fahrer, den mir die Schweizer Botschafterin organisiert hatte, wartete schon am Flughafen und half mir an mein Gepäck zu kommen. Adrian hatte alles perfekt organisiert. Im Zimmer, welches ich beim Botschafterpaar beziehen durfte, fand ich das Antragsformular für das Visum, Bustrarife nach Zentralafrika und eine Karte mit allen für mich wichtigen Orten vor. So konnte ich mich ich bereits zwei Tage später auf den Weg machen Richtung Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.
Ich besass ein erstes Busticket um bis zur die Grenze zu gelangen. Fahrrad und Gepäck waren auf dem Dach festgezurrt, aus dem Radio dröhnte so laut afrikanische Musik, dass man kaum das eigene Wort verstand, geschweige miteinander sprechen konnte. Der Himmel strahlte stahlblau, die Sonne schien und der Wald leuchtete grün, durchschnitten von der roten Lateritt-Strasse. Ich war froh aus der Stadt weg zu kommen und gespannt was mich alles erwarten würde. Ausser, dass ich entgegen allen Versprechen, doch keinen direkten Bus hatte, für das Fahrrad ein zweites Mal bezahlen musste und ich mir wegen der schlechten Stossdämpfer mein Sitzleder ruinierte, ging alles gut.
Ich stand früh auf um die Grenze zu passieren und den Bus in die Zentralafrikanische  Republik (CAR) nicht zu verpassen. Das Visum war in Ordnung, der Stempel in den Pass gedrückt und der Pass schon wieder in meinen Händen. Café? Klar, sagte ich wieso nicht? Doch keiner der Grenzbeamten machte Anstallten Kaffee zu holen. Bier? Besser nicht schon am Morgen! Danach wurden sie etwas deutlicher: Monnaie! Erst da realisierte ich, dass sie mich nicht einladen wollten, sondern gerne ein Geschenk gekriegt hätten. Bien-venu en Afrique dachte ich mir und ging ohne etwas zu geben weg. Der Bus war nicht voll und somit wurde die Abfahrtszeit ein wenig rausgeschoben:
 1 Stunde, 2 Stunden, 3 Stunden. Ich schnappte mir den Sitz gleich hinter dem
Fahrer, da ich mir dort etwas mehr Beinfreiheit erhoffte. Doch nachdem wir uns im Toyota-Bus schon zu fünft nebeneinander in eine Sitzreihe gedrängt hatten, mussten weitere 3 Personen bei unseren Füssen hineingequetscht werden. Eingepfercht wie in einer Sardinendose und mit komplett überladenem Dach, holperten wir über die schlechte Strasse los. 12 Stunden Busfahrt am ersten Tag, am zweiten Tag, mangels fahrenden Bussen, mit einem in Europa gestohlenen Auto, eine 26stündige Fahrt;  600km lang. Mindestens alle 50km tauchte eine Barriere auf. Mit den Barrieren leider auch immer Polizisten im Hauptberuf, Strassenräuber und Wegelagerer im Nebenberuf. Tagsüber ging es einigermassen. Ich versuchte mich gegen alle Geldforderungen so gut wie es ging zu wehren. Leider musste ich feststellen, dass von meinem Schul-Französisch nicht mehr viel übrig war; ich also den fragenden Beamten nicht verstand und bei den Antworten auch gleich noch chinesische Wörter einmischte, was mich nicht unbedingt populär machte. Je weiter die Nacht fortgeschritten war, desto höher wurden die Beträge die ich schmieren sollte. Um 03:00 Uhr früh wurden der Höhepunkt erreicht, 30’000 CFA (ca. 75 Franken) wurden verlangt...
Die Beamten waren müde, angesoffen und spielten mit ihren Kalaschnikovs um uns einzuschüchtern. Meinen Pass hielten sie als Pfand zurück, zudem wollten meine dunkelhäutigen Reisegefährten, denen dieses Mal keine Probleme gemacht wurden, weiterfahren und wurden ungeduldig. Innerlich kochte ich vor Wut, doch musste ich diese unterdrücken und freundlich weiter verhandeln. Endlich nur noch 2000 CFA, zähneknirschend gab ich nach… um gleich auf die gegenüberliegenden Strassenseite geschickt zu werden, wo nach der Polizei nun auch noch die Gendarmerie ihre Beute wollte. Eine unbeschreibliche Wut packte mich, wegen Machtlosigkeit und da ich das Geld diesen Blutsaugern geben musste. Genau denen, die mitverantwortlich sind, dass es dem Land so schlecht geht! Von der Grenze bis Bangui wurde ich gegen 20’000 CFA los.
7 Uhr morgens, nach 26 Stunden ohne Schlaf, war ich fast pleite, dafür endlich in
Bangui und ich machte mich auf die Suche nach Adrian. Mit zwei Säcken Zweifel -Chips
überraschte ich ihn beim französischen Lehrerpaar, in deren der Wohnung er auf mich warten durfte.
Ich freute mich riesig, ihn wieder zu sehen, endlich mit ihm auf das Fahrrad zu steigen  und unabhängig unterwegs sein. Er tröstete mich wegen meiner Niederlage punkto Wegzölle, und erzählte, dass kein Weisser diese Strecke mit den öffentlichen Verkehrmitteln zurücklegt, dass UNO und Hilfsorganisationen nur im Konvoi fahren und trotzdem sei zwei Tage vorher eine Französin erschossen worden.

Urs

 
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