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Written by Adrian Guggisberg   
Friday, 20 July 2007
Wie eine Übernachtung zum Alptraum wurde…

Ich zittere. Bin übermüde und Adrenalin strömt immer noch durch meinen Körper. Seit zwei Stunden sitze ich vor der Polizeihütte und die Ereignisse überschlagen sich.
Gestern Abend fragte ich wie üblich den Chef du Village, ob ich in seinem Dorf die Nacht verbringen dürfe. Wie immer wurde ich freundlich aufgenommen und versorgt, nicht einmal die Wäsche durfte ich selber machen. Um 21.00 Uhr der Schock. Als ich die zum Trocknen über Büsche gehängten Kleider in die Lehmhütte räumen wollte: Bade- und Radlerhosen, Baseballmütze, Hemd und eine Socke waren verschwunden. Die Suche mit Petrolllampen war erfolglos. Die Elite des Dorfes versammelte sich und es wurde heftig diskutiert. Wütend und ohnmächtig drohte ich mit Polizei und Hausdurchsuchung. Wie eine Henne auf ihre Kücken legte ich mich auf meinen Habseligkeiten nieder. Schlafen konnte ich nicht. Vielmehr versuchte ich einen Plan für den nächsten Tag auszuarbeiten.
Beim ersten Morgenlicht entflammten erneut heftige Diskussionen. Der Dieb hatte es sich also nicht anders überlegt und die Kleider nicht zurück gebracht. Ich folgte dem Vorschlag der Umstehenden zur Gendarmerie zu gehen, und so marschierten der Chef du Village, sein Sekretär, der Kleiderwäscher und ich zum nahen Posten. Wieder einmal liefen die Verhandlungen auf Sango, der lokalen Sprache, und ich verstand nichts. Nach ausführlichem Erzählen packte der Gendarm seine Handschellen, fesselte Fuss und Hand des Kleiderwäschers und warf diesen in die vergitterte Lehmhütte. Das Aufschluchzen der Frauen und das Gemurmel in der mittlerweile riesigen um uns versammelten Menschenmenge, liess mich erahnen, dass die Haftbedingungen ebenso haarsträubend sind, wie in den afrikanischen Gefängnissen, die ich bis jetzt besichtigen konnte. Als ich nach zwei Stunden den jungen Gefangenen besuchte, bettelte er weinend um seine Freilassung, wer sollte sonst seine Familie mit vier Kinder versorgen? Mir war nicht mehr wohl. Wie kann der Zauberlehrling die von ihm wegen ein paar Klamotten ins Rollen gebrachte Polizeimaschinerie noch stoppen? Ich wollte nicht zu nahe bei den im Dorf unbeliebten, da illegal Wegzoll kassierenden, Polizisten stehen. Mein Vorschlag eine Gemeindeversammlung einzuberufen um die Einwohner aufzuklären und eine Nacht zu warten, wurde angenommen. Dem Dieb sollte die Möglichkeit gegeben werden die Kleider unerkannt zu deponieren.
Zufällig fuhr der Polizeichef der Region vorbei. Als ihm die Geschichte erzählt wurde, setzte er noch mehr Dampf auf. Entweder seien die Habseligkeiten morgen um 8.00 Uhr auf dem Posten PK 12 oder der Chef du Village sehe ein Jahr lang Zebrafenster. Der Familienvater wurde freien Fuss gesetzt und ich mit einem Bestätigungsschreiben entlassen. Richtung Bangui fahrend, wurde ich nach 4 km von der Polizei aufgehalten und sollte 5000 CFA fürs Passieren bezahlen. NEIN! sagte ich das erste mal direkt, laut und deutlich und überreichte das Schreiben. Ohne ein weiteres Wort war die Sache geregelt (Gute Idee für die nächsten 12 Posten...).
Pünktlich um 8.00 Uhr am nächsten Tag meldete ich mich beim PK 12. Nicht alle waren so Zeit bewusst. Um 10.00 Uhr erschien der Polizeichef, vom Chef du Village fehlte leider noch jedes Zeichen. Ein Pick-up ,mit zehn Kalaschnikowträgern bemannt, wurde auf die Suche nach meinen Kleidern und dem Dorfchef losgeschickt. Zehn Minuten später kam der Mann angekeucht, die 13 km hatte er im Laufschritt zurück gelegt. Zu meiner Freude schwenkte er einen Plastiksack mit meinen Klamotten – alles, bis auf eine Socke...

 
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