Joomla Files Webdesign ADDI
Header Pic   Header Pic
Header Pic  PfeilHome arrow Projects arrow Through Africa by bike arrow Stories arrow 14.06.2007 Yaounde - Bangui
GermanEnglish
Header Pic
Header Pic

14.06.2007 Yaounde - Bangui PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Sunday, 17 June 2007
Von der dritten in die vierte Welt...

 

Als ich auf dem Schweizer Generalkonsulat in Yaounde erwähnte, dass ich die letzte Nacht am Stadt- und Waldrand der Millionenmetropole verbracht hatte, bekam ich das Gästezimmer der Konsularin offeriert. Vom Radlernomaden- wurde ich ins Diplomatenleben katapultiert. Gekleidet in einen geborgten Anzug und mit Krawatte! ging es schon am ersten Abend als Schweizervertretung zum Konzert in die „Staatsoper“. Nur die von der letzten Schlammpiste noch dreckigen Veloschuhe verrieten die wahre Herkunft. Einige Tage später ging’s zum Gedenkgottesdienst an die Absturzstelle der 114 Opfer des Fluges XYZ.
Pünktlich auf den Tag, auf den die deutschsprachigen Vertreter in Kamerun eingeladen wurden, setzten stetige Kopfschmerzen und plötzlich hohes Fieber ein, die bei mir mittlerweile untrüglichen Zeichen für Malaria. Der Schweiss lief in Sturzbächen an mir runter während ich meine Reise vorstellte und Fotos zeigte. Nach einem ungewöhnlich kurzen Besuch am Buffet verabschiedete ich mich mit Schüttelfrost ins Bett. Dies war mit Abstand mein komfortabelstes Krankenzimmer und ist dem Zelt eindeutig vorzuziehen. Antizyklisch zu den Hitze- und Kälteschüben konnte ich per Fernbedienung die Klimaanlage regulieren. War eine Bettdecke durchgeschwitzt, zwei mal drehen und ich lag in einem frischen Bett. Die Genesung wollte trotz rascher medikamentöser Behandlung nicht einsetzten. Erst das Ersetzen der Quinin-Tabletten brachte Besserung. Habe ich die hier sehr verbreiteten chinesischen Fälschungen bekommen? Mein Verdacht geht eher dahin, dass die Temperaturlimite meiner Apotheke in der Wüste überschritten und meine Medikamente unwirksam gemacht wurden. Ob dies wohl auch der Grund für die bei mir versagende Malariaprävention sein könnte?
Alle möglichen Leute kontaktierte ich, um Informationen über Strassen- und Sicherheitszustand im Zentralen Afrika zu bekommen. Nach langem Hinausschieben der Routenwahl, traf ich die Entscheidung, die ich genau genommen schon bei der Abfahrt in der Schweiz kannte. Ich werde es versuchen. Mitten durch das grüne Herz des schwarzen Kontinentes, nach Ostafrika.
Genauer gesagt, wir werden es versuchen. In Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik werde ich meinen Bruder Urs treffen, der idealste Partner für ein solch heikles Unternehmen.
Nach fast drei Wochen mit feinem, europäischem Essen und Gästezimmer verwöhnt, machte ich mich auf Richtung Osten. Gleichzeitig ging’s aber einige hundert Kilometer nördlich, vom Urwald zurück in die Savanne, die ich kaum mehr erkannte. Das alles prägende dürre Beige der Trockenzeit hat einem satten Grün Platz gemacht.
An der Grenze hatte ich alle Mühe meine Jungfräulichkeit in Sachen Schmiergeldzahlen zu bewahren. Zwar erwies sich meine Vorsichtsmassnahme die Kamera im Schlafsack zu verstecken als unnötig, doch die Diskussion über die 2000 CFA (5 sFr.) die ich bezahlen sollte, zog sich schon über eine Viertelstunde hin als der Hilfsgendarm ihre Niederlage einleitete. Er legte meinen Pass auf den Tisch als der Chefgendarm nicht aufpasste und ich konnte mich meiner Dokumenten bemächtigen. Als der Chef wegen eines Problems seines Motorrades abgelenkt war, nutzte ich die Gelegenheit um aus dem Büro zu schlüpfen und wurde zu meinem Erstaunen nicht zurückgepfiffen.
Die Grenzquerung war aber noch das kleinere Problem wie sich bald herausstellte. Auch mir waren die vielen wartenden Lastwagen aufgefallen. Der Grund lag darin, dass vor kurzem ein nicht bezahlen wollender kamerunscher Lastwagenchauffeur von Banditen auf dieser Strecke erschossen worden war. Kamerun blockiert nun die Grenzquerung zentralafrikanischer Camions - mit gravierenden Folgen für die Binnenrepublik.
Wenn man von unzähligen Leuten immer nur gewarnt wird und Schlechtes über ein Land hört, sind die ersten Stunden und Tage von äusserster Vorsicht und einem mulmigen Gefühl geprägt. Die erste Person der ich  auf zentralafrikanischem Boden begegnete, schenkte mir drei Mangos und ein Stein fiel mir vom Herzen.
Dem deutschen Missionar blieb vor Freude und Staunen der Mund offen, weil sich wieder mal ein weisser Reisender über diese Strecke wagte und sich bei ihm zeigte. Der Bitte auf meiner Internetseite zu veröffentlichen, dass sich die junge Familie in der Ecole de Theologie immer über Gäste freue, komme ich gerne nach.

Die 600 Kilometer nach Bangui sind gespickt mit Checkpoints. Dadurch wird die Strecke sicherer vor Banditen und Rebellen, zu Räubern werden dafür die nicht selten besoffenen Gendarmen. Die einzige Möglichkeit nicht die Geduld zu verlieren ist das Ganze als Spiel anzusehen. Einmal ging ich als Verlierer hervor, als ich mein ganzes Bagage auspacken, erklären und vorführen musste. Besonders bedeutende Siege waren für mich, wenn mich der zuerst Geld verlangende Ordnungshüter zum Essen einlud oder durch meine Redeflut so abgelenkt war, dass er vergass meine Personalien zu notieren und mir mit dem Motorrad nachfahren musste. Und bitte Herr Blocher oder wer das Los des Polizei- und Justizministeriums zieht, beim neuen Schweizerpass die wunderschön farbigen Kantonswappen und Sehenswürdigkeiten weg lassen. 26 Wappen x 10 Sekunden x 4 Beamte x 12 Posten ergibt für Schweizer noch eine zusätzliche Wartezeit von 3 Stunden und 28 Minuten.
Da sich seit zehn Jahren kaum mehr ein Weisser ins Land wagt, haben die Kinder schon beinahe das „touriste, touriste“ Zurufen verlernt. Umso eifriger winken dafür die Erwachsenen und freuen sich wenn ich anhalte oder sogar im Dorf übernachte.

In Bangui eingetroffen, wuchs meine Angst um Urs. Wie wird er nur unter Zeitdruck durch die vielen Kontrollen kommen ohne danach bankrott zu sein?

Ah, die Definition der vierten Welt? Wenn die drittgrösste Stadt des Landes seit zwei Jahren keinen Strom und seit zwei Monaten kein fliessend Wasser mehr hat. Der Kopf eines erwischten Banditen auf der Motorhaube eines Polizeijeeps ausgeführt wird. Oder ein Metzger im Gefängnis landet, weil in seiner Familie in einer Nacht zwei Personen gestorben waren und es Leute gibt, die behaupten, er habe seine Angehörigen in Schweine verwandelt und das Fleisch auf dem Markt verkauft.

Kamerun
Nirgendwo habe ich so viele Leute getroffen, die die Hoffnung auf Besserung verloren haben. Nirgendwo gab es so viele Studierte, die als Bauern aufs Land zurückgekehrt sind weil es keine Arbeit gibt oder sie den Betrag, um sich in die Arbeitstelle einzukaufen nicht aufbringen können und das in einem Land, in dem alles gedeiht und das über unzählige Reichtümer verfügt: Erdöl und Erdgas, Holz, Mineralien aller Art, Tourismuspotential, …
So häufig wie in Nigeria die Tankstellen, sind hier die Bars und noch das letzte Geld wird für Bier ausgegeben. Im Gegensatz zu den europäischen Ländern, wo Alkohol nicht an Minderjährige abgegeben werden darf, sind hier die achtjährigen Jungs die besten Whisky im Beutel und Zigaretten-Verkäufer.
Die englischsprachige Minderheit fühlt sich stark benachteiligt in den zentralistischen Strukturen. Brücken schlagend ist der Fussball und der FC Barcelona Star Eto’o. Auffallend sind die unzähligen Kirchen. Bis zu fünf Gotteshäuser nebeneinander findet man. Einige meinen es ernst, andere ziehen der sehr gläubigen Bevölkerung mit cleveren Spenderitualen noch das letzte Geld aus dem Sack… für das Auto des Pastors.

zu den Bildern  

 
< Prev   Next >
Header Pic
left unten right unten
© 2012 to-adi - Adrian Guggisberg