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16.05.2007 Abuja - Yaounde PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Wednesday, 16 May 2007
Von den Savannen in den Urwald, von der Trocken in die Regenzeit...

 
In der Nacht muss Abuja, aus einem Flugzeug betrachtet, ein Feuerwerk übertreffen - so viele Stromausfälle hatte ich noch in keiner Stadt miterlebt.

Nachdem das Fahrrad bei der Julius Berger Kompanie (Deutsche Baufirma) gewartet und durch ein Kamerastativ erweitert wurde, ging es los Richtung Süden. Da Kamerunvisa nicht in der Hauptstadt Abuja sondern in Calabar ausgestellt werden, führte mich mein Weg doch noch in die ölreichen Staaten.
Nach drei Tagen plötzlich die Erlösung. Klare Sicht und eine enorme Geschwindigkeits-steigerung. Fertig Harmattan. 113 Tagen und 5741 Kilometer kämpfte ich gegen den Wind, der übrigens nicht stetig weht. Um die Mücken in der Nacht die Malaria verbreiten und mich im Zelt schmoren zu lassen, wird in der Nacht abgestellt. Harmattanende bedeutet auch heisseste Zeit im Jahr und Übergang in die Regenzeit. Während ich während des Tages 12 Liter Wasser in mich hineinein schütte, gehen vorwiegend am Abend oder in der Nacht Wolkenbrüche nieder die mit dem Nieseln in Europa nichts zutun haben.
Vor Hitze flüchtete ich auf die hoch gelegene Obudu Kettle Ranch, der Touristen- und Rückzugsort für Politiker, Reiche und Weisse. Der Übergang von ärmlichen Hütten ohne Strom zu Luxusbadeanlagen mit Sprungturm und Wasserrutschbahn ist nahtlos. Das Zelt durfte ich im Garten eines Julius Berger Mitarbeiters stellen und als der Presseminister in der Bar mein Gespräch mit englischen Touristen belauschte, war fertig mit Spaghetti kochen im Garten des Nobelhotels. Ich wurde zum Gast, durfte mich durch das üppige Buffet essen, wurde zu einem Fernsehinterview später in Calabar eingeladen und die Rechnungen wurden jeweils schweigend mit Petrodollars beglichen.
Mittlerweilen hatte ich die Regenwaldzone erreicht. Die überladenen Früchtetransporter kamen mir nicht mehr auf meiner Strassenseite bei waghalsigen Überholmanövern entgegen, sondern wurden hier beladen. Zuerst fuhr ich in die Mangozone, dann durch Bananenplantagen und plötzlich gab es alles: Ananas, Avocados, Kokosnüsse und unzählige Früchte von denen ich noch nie gehört geschweige denn hineingebissen hatte. Und wieder einmal wurde das weisse Greenhorn bestraft. Für 12 Rappen erstand ich mir eine Riesenananas, setzte mich an den Strassenrand und biss in die zuckersüsse Frucht. Nach zwei Dritteln die Verhexung. Die Zunge fühlte sich an wie mit 1000 Nadeln durchstochen. Der eben noch himmlisch süsse Zuckerspender schmeckte wie Batteriesäure...
Eigentlich wollte ich Nigeria vor den Wahlen verlassen haben, weiss man doch nie genau was abgehen wird. Zu vielen Einladungen folgend, machte ich mir den Strich durch die Rechnung selber. So verbrachte ich den ersten Wahltag, wegen der Ausgangssperre fernsehguckend und Schnitzel essend, abermals in einem Julius Berger Lifecamp. Am zweiten gelang es mir trotz geschlossener Grenze nach Kamerun überzusetzen. Am Wahltag um 11.00 Uhr als ich Nigeria verliess, verfügten die kleinen Dörfer immer noch über keine Wahlzettel. Ob die noch eintrafen? Laut BBC in weiten Teilen des Landes nicht...
Die Regenzeit und der Urwald geben nun den Reisestil vor. Da es ohne grosse Rodungsaktionen kaum möglich ist das Zelt zu stellen, und ich zu faul bin, am Morgen 3 Stunden das Zelt zu trocknen, spreche ich meistens beim Head of the Village vor. Manchmal schlafe ich unter dem Vordach seines Hauses oder dem des Markthangars, meistens aber wird trotz abwehren meinerseits ein Zimmer für den Gast geräumt. Nicht selten, ganz unkompliziert, liege ich neben dem Gastgeber im Doppelbett. Geändert hat sich auch das Waschen. Im trockenen Norden verfügte eine Gruppe von Häusern über eine gemeinsame Dusche bzw. einen mit Geflecht sichtgeschützten Platz, den man mit einem Kessel Wasser besuchte. Ein Kübelchen um sich das Wasser über den Kopf zu leeren, gibt es seit Senegal nicht mehr, vielmehr spritzt man sich das Wasser mit den Händen direkt aus dem Kessel ins Gesicht. Musste ich früher oft mit den Füssen die durstigen Hühner abwehren, sind es hier die Fische die zu Besuch kommen. Nicht durch bebilderte Spam-Mails aufgeklärt, will jeder den weissen Gast zum Waschen am Bach begleiten. Unter vielen interessierten Blicken schrubbe ich mir den Schweiss vom Körper und bereite mich mit Gift auf den Kampf gegen Mücken und die vielen weiteren kleinen Stecher und Beisser vor.
In Kamerun startete ich mit Stadtrundfahrten. Der erst Gastgeber war stolzer Besitzer eines Leichenwagens, der zweite ein Lehrfahrer bei seiner 3. Fahrstunde, was er mir erst nach meiner Zusage verriet. Der Fahrlehrer benützte Handbremse und Steuerrad häufiger als der Lehrling die Rückspiegel...
Auf das Besteigen des aktiven Vulkan Mount Kamerun verzichtete ich schweren Herzens. Die Chance, zu dieser Jahreszeit etwas anderes als Nebel und Wolken zu sehen, war zu klein. Dafür genoss ich einige Tage an den dunklen Lavasandstränden von Limbe bevor ich mich nach Yaounde aufmachte, um meinen Schweizer - 4x4 - Fotografenfreund zu treffen, den ich in Marokko kennen gelernt hatte.

Nigeria
Der Unterschied zu den von mir bis jetzt durchreisten Ländern ist gewaltig. Das Brot, Überbleibsel der ehemaligen Kolonialmächte, wechselte zwar bereits in Benin von Parisette zum süssen Weissmehlquader im Plastiksack. Als erstes sind mir die unzähligen Tankstellen aufgefallen. 1/5 wurde fertig gestellt, 1/5 verfügt gerade über keinen Treibstoff , 1/5 ist nicht mehr in Betrieb. Die letzten 2/5 funktionieren, wenn nicht gerade der Strom für die Pumpe ausgefallen ist. Der Grund für den Tankstellen - Wahn? Ehemalige Offiziere bekommen an Stelle einer Rente Erdölkontigente. Da der Schmuggel ins Ausland rentabler ist, werden die Tankstellen oft nur zur Tarnung gebaut. Die Strassen sind gespickt mit Polizeicheckpoints, bei jedem zweiten werde ich angehalten, bei jedem vierten um Geschenke gebeten. Im Gegensatz zu den weissen Autofahrern bin ich immer mit Geduld und Reden davon gekommen. Relativ viele Strassen sind asphaltiert, viele Dörfer ans Stromnetz angeschlossen, sprich die Infrastruktur ist besser als in den Nachbarländern. Nein, war besser. Unterhalt scheint ein Fremdwort zu sein. Das BIP hat sich nach dem Einstieg ins Ölbussinnes stark gesenkt! Andere Wirtschaftszweige werden vernachlässigt, grosse Farmen verlottern, viele Nahrungsmittel müssen wieder importiert werden. Trotz dem miserablem Ruf und den vielen schlimmen Geschichten die ich zu hören bekam, hatte ich nie ernsthafte Probleme. Zwar spürt man die temperamentvollere Art nicht nur im Strassenverkehr, besonders im Süden aber ist die Gastfreundschaft enorm. Einladungen und Überhäufen mit leckeren Früchten war an der Tagesordnung.

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