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Radeln durch die ärmsten Länder der Welt...
Zwei Wochen vegetierte ich in Bamako vor mich hin bis die „Malaria tropica“ einigermassen überwunden war. Im Gegensatz zum Radlerdoping EPO das die roten Blutkörperchen vermehrt, werden sie bei dieser Krankheit abgebaut. Bei mir in einem Ausmass, dass mir in allen Positionen ausser im Liegen schwindlig war. Dazu war mir übel und ich hatte das dauernde Gefühl einer Sinnesüberreizung. Als alle deutschen und englischen Bücher in der Auberge gelesen waren, hielt ich es, obwohl noch nicht ganz fit, nicht mehr aus und startete trotzdem. Schnell ging es mir besser und nach vier Tagen radeln Richtung Timbuktu war das Tour de France-Prolog-2005-Jan Ulrich – Gefühl wieder in das Tour de France-Prolog-2005-Lance Armstrong-Gefühl umgebogen. Nun nahm ich den Weg durch eine der spannendsten Regionen Westafrikas unter die Räder. Zuerst fuhr ich durch das Niger-Inlanddelta. Endlose Reisfelder, Viehherden, oder auch nur harte Erde erstrecken sich bis zum Horizont. Wie Oasen tauchen die traditionellen Bauerndörfer mit Baumgruppen aus dem Dunst ferner Sandstürme auf. Da die Landschaft von unzähligen Flussarmen unterbrochen wird, gibt es weite Gebiete, die nur mit Fahr- und Motorrädern erreichbar sind. Nach dem ich eine überladene Piroge (flaches Holzboot) sinken und die Frauen beinahe ertrinken sah, hatte ich bei den Querungen jeweils ein mulmiges Gefühl. Ich überlegte mir mit welcher Methode ich mir die Stelle im Fluss am besten merken könnte, um später nach Bob und Fahrrad tauchen zu können… Viele verschiedene Volksstämme leben in diesem Gebiet. Alle 150 km wechselt die Ethnie und somit Sprache, Schmuck, Kleider und Traditionen. Obwohl von allen Befragten abgeraten, wagte ich mich mit dem Velo in das sehr sandige Dogon-Land. Beinahe mehr stossend als radelnd erreichte ich etwa alle 4 km eines der Dörfchen, die sich an die 120 km lange Felskaskade schmiegen. Im Gegensatz zu Senegal, wo ich mich meistens einladen liess, zeltete ich oft alleine in der Natur. Der Grund war, dass ich eines ihrer Gerichte (eine Bauernfamilie wechselt nur zwischen zwei ab) beim besten Willen nicht herunter brachte. Während der gestampfte „Mil“ manchmal noch knapp ging, ist spätestens bei der „Boubab“-Blättersauce mit Konsistenz von Froschlaich, Farbe und Geschmack in Richtung Kuhkot endgültig fertig. So koche ich mir am Abend meistens Pasta, durch den Tag verschlinge ich Kiloweise Datteln und ungeröstete Erdnüsse. In grossen Dörfern und Städten decke ich mich mit Brot ein und da es lange Perioden gibt, wo ich weder Früchte noch Gemüse finde, stammen die Vitamine aus Brausetabletten…. Nach dem Timbuktu - Trip war die Asphaltstrasse Richtung Gao Balsam für den Hintern. Da unweit der grossen Strasse, versteckt auf und hinter den Tafelbergen von Tubabs kaum besuchte Dörfer lagen, hielt es mich nicht lange auf dem Asphalt. Zum ersten Mal brauchte ich mein „Ohne Wörter-Wörterbuch“. Ich wollte sicher sein, dass ich die Schwimmbewegungen richtig deutete und es da tatsächlich einen See gibt. Als ich auf das Seezeichen zeigte, wurde ganz genau geschaut und eine heftige Diskussion entbrannte. Es dauerte einige Zeit bis ich begriff. Nicht der See war das Problem, den gibt es, aber der kleine Holzsteg und die Enten waren unbekannt. Eine etwas weniger idyllische dafür praktischere Auflage wäre wünschenswert... Zu dreissigst unternahmen wir anschliessend den Ausflug bei welchem mir spektakulärste Sprünge von den begrenzenden Felsen vorgeführt wurden. Wieder mit Fieber schleppte ich mich zum Fuss der „Main de Fatima“ auf einen Camping. Mit Klettern auf den weltberühmten Routen wurde nichts, stattdessen kurierte ich das zweite Mal Malaria aus. Das Fernröhrchen und das Plaudern mit französischen und spanischen KlettererInnen verkürzte die verordnete Ruhezeit aber enorm. Nach drei Tagen war ich wieder fit um wenigstens einige Boulderzüge machen zu können, leider waren die anderen Kletterer bereits wieder abgereist. Mich an Tafelbergen und Sonne orientierend, da es dem günstigen Kompass schon zu südlich ist, ging es quer durch die Halbwüste nach Brukina Faso. Das Visum solle man direkt an der Grenze kaufen, dort sei es günstiger. Sogar gratis, da Ziegen und Esel die einzigen Lebewesen waren, denen ich in der Grenzregion begegnete. Da auch in der ersten Stadt, auf meiner Karte als Zollpunkt eingezeichnet, sich niemanden fand der mir ein Autogramm in den Pass zeichnen wollte, fuhr ich ohne weiter. Bei der ersten Polizeikontrolle kam ich ins Schwitzen, der freundliche Beamte war aber mit dem Pass alleine bereits zufrieden. Mit der freudigen Nachricht, dass Veloersatzteile und eine Überraschung bereits in Ouaga auf mich warteten, flog ich förmlich in die Hauptstadt. Dort wohne ich nun für einige Tagen im Pfadiheim der Pfadessen, muss mich gegen Heiratsangebote wehren und warte auf meinen zweiten Fernsehauftritt... Mali Nach Senegal ist Mali noch einmal ein ganzes Stück ärmer, aber auch sauberer. Das Geld der sich selbstversorgenden Bauernfamilien reicht schlicht nicht um mehr als die nötigsten industriell erzeugten Produkte zu kaufen. Die Landwirtschaft ist extrem von den Regenfällen abhängig. In guten Jahren kann sogar ein Teil der Ernte verkauft werden, in schlechten ist der Hunger nicht weit. Da Mali einige touristische Attraktivitäten zu bieten hat, werden aufdringliche Verkäufer und Bettler zum Problem. Auch die neuen 4x4 - Wagen gehören nicht immer nur den Hilfsorganisationen, Konvois von bis zu 30 Fahrzeugen weisser Abenteurer fahren kreuz und quer durchs Land. Der Hauptstadt - Land Unterschied ist, wie in den meisten Ländern hier, gewaltig. In den Dörfern weder Strom noch fliessendes Wasser, in Bamako internationale Konzerne und teure Hotels. Während des Verfassens dieses Berichtes wird der Raum von zwei Geräuschen erfüllt. Zum einen vom "tock, tock" der Geckos, die Kakerlaken jagen und vertilgen und zum andern von einem stetigen mahlen; müllern, ja kracken. 265 Tage fehlte mir das Geräusch, musste seit Martiny CH darauf verzichten, träumte davon in der Sahara, bei Hitze und Entbehrung. Und jetzt der salzige, würzige Geschmack! Zweifel Paprika Chips. Dass die ersten 280g bereits nach dem Frühstück fehlten, muss ich hier wohl nicht erwähnen... Gruss Radian zu den Bildern |