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Armut PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Monday, 19 February 2007
Reisen in den ärmsten Länder der Welt…

Je weiter ich radle, umso grössere Armut begegne ich. Während es in Marokko noch spannend war in einem Dorf ohne Strom und fliessendem Wasser zu übernachten, bin ich jetzt froh zwischendurch das Gegenteil zu finden.
Zwar werden immer noch „Cadeaux“ verlangt oder um Kleinigkeiten gebeten. So wird zum Beispiel nach dem leeren Konfitürenglas gefragt oder mein Abfall nach leeren Dosen durchsucht. Am schlimmsten ist das PET-Flaschen Problem. 99% der Tubabs (Weisse) trinken nur Mineralwasser und sind froh ein kleines Geschenk für die Bettelnden zu haben. Komme nun ich als Radler mit meiner ausgestellten PET-Sammlung vorbei, werden meine Erklärungen oft nicht verstanden. Unzählige Male werde ich nach den Flaschen gefragt. Auch kommt es vor, wenn ich jemandem die Flaschen zum Füllen gebe, diese trotz Zeichensprache als Geschenk angeschaut werden. Hart, mich geizig fühlend, ist es dann, die für mich lebenswichtigen Flaschen wieder zurück zu bekommen.
In einem Dorf oder einer Stadt ist es unmöglich zu essen, ohne von Bubenaugen kontrolliert zu werden ob nicht einige Krümel zurückbleiben. Was tun? Dem ersten etwas geben? Und den weiteren acht? Die Jungs einfach hungern lassen und selber den Bauch füllen? Wenn ich etwas gebe, was erwartet den nächsten Tubabu? Ich gebe nichts und werde so oft zum Essen eingeladen?
Das Schlimmste, mir tief unter die Haut gehende, musste ich aber im mausarmen Südosten Malis erleben. Freundlich werde ich in den Schatten zum Essen eingeladen. Nach dem Speisen die Bitte, mir doch die Kranken anzuschauen, ich hätte sicher Medikamente um ihnen zu helfen. In einer dunklen, schmutzigen Hütte liegt eine Frau am Boden die seit zwei Tage nur noch röchelt und schluchzt und ein Bébé mit fiebrigen Augen, welches nur noch schreit und hustet. Schockiert musste ich den Leuten erklären, dass einfach Medikamente schlucken, wenn man nicht weiss was das Problem ist, gefährlich ist. Erschüttert ob diesen Verhältnissen und dem nicht richtig verstanden werden, bin ich froh wenigstens einem Mann, dessen Finger wegen eines Mausbisses eitrig und auf die dreifache Grösse angeschwollen ist, das halbe Fläschchen Bettadin geben zu können.

 
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© 2012 to-adi - Adrian Guggisberg