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28.12.2006 Nouakchott - Bamako PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Sunday, 31 December 2006
Mit dem Harmatta im Gesicht durch die Sahelländer...


On the road again, wieder Fahrtwind im Gesicht! Vorab für alle eMail-Fragenden. Ja; ich habe wieder zugenommen. Absichtlich reduzierte ich die Futterzufuhr während meiner Arbeitspause in Nouakchott nicht um für die nächsten Magenprobleme gewappnet zu sein. Leider fand ich beim Losfahren keinen Strassenjungen der sein Einkommen mit einer Personenwaage verdient, so schwer war ich aber sicher noch nie. Ich spürte sogar den Bauch wackeln, als ich mich über die Wellblech-Piste zur berühmt, berüchtigten Grenze Mauretanien-Senegal (soll eine der schlimmsten Grenzen in Afrikas sein bzw. die leichteste um Bestechungsgelder und Geschenke los zu werden...) plagte. Nicht via Rosso dem einfachsten Weg, dem die meisten Touristen folgen, sondern über den „Barrage de Diama“ versuchte ich mein Glück. Wie vorgenommen fuhr ich lachend zu den Zöllnern, grüsste herzlich, schüttelte Hände, klopfte Schultern... und es funktionierte. Auf der mauretanischen Seite wurde ich zuerst um 2000 Ugia (6 Euro) gebeten, als ich nicht begreifen wollte, gaben sie aber schnell auf. Auf der gefährlicheren senegalesischen Seite wurde ich zum Tee und Essen eingeladen. Stolz meine Bestech-Unschuld gewahrt zu haben radelte ich nach St. Louis.
Plötzlich flitzten zwei Rennvelofahrer an mir vorbei. Ich beschleunigte ebenfalls, wir kamen ins Gespräch und so durfte ich die nächsten fünf Tage bei Sidy und seiner Familie verbringen. Obwohl für die senegalesische Nati fahrend, verschiedene Tours in Afrika bestreitend, ist sein Gehalt gering. Nebenbei oder eher hauptsächlich wird das Geld mit Velo und Mofas flicken und Hühner, Ziegen und Schafe züchten verdient. Übrigens ein Nebenerwerb dem fast jeder nachgeht, der 1m2 Boden besitzt und einen Baum hat, der zwischen durch ein grünes Blatt als Futter fallen lässt. Da nur ein Zimmer vorhanden war, teilte ich meinen Schlafplatz, den sandigen Garten, mit den Tieren. Verschiedene Gerichte der senegalesischen Küche wurden mir zubereitet, an einem Tauffest konnte ich teilnehmen und selbstverständlich an den Trainingseinheiten. Zum Essen setzten wir uns jeweils zu elft im Schatten eines Baumes in einen Kreis und assen aus einer riesigen Schüssel, natürlich von Hand.
Am letzten Tag traf ich mich mit Axel und Gregori, zwei Schweizermilitärpiloten. Die beiden wollten mit ihrer Cessna 170B den schwarzen Kontinent der Küste entlang umrunden, mussten ihr Projekt leider wegen Fliegerbenzin-Verfügbarkeits- und Administrativenproblemen abbrechen und befinden sich auf dem Rückweg.

23 km später blieb ich in der Zebrabar schon wieder für einige Tage hängen. Dieser idyllische Camping in einem Nationalpark wird von einem Schweizer Ehepaar geführt. Wieder einmal wurde PC-Support gegen Kost und Logis verrechnet und ich konnte mit dem Kajak den Park erkunden.
Auf den nächsten 150 km Richtung Dakar verabschiedete ich mich für die nächsten Monate gebührlich (ausgiebig) vom Meer. Der harte Sandstreifen zwischen Brandung und weissem Sand konnte befahren werden und war während der Ebbe genügend breit. Mit dem einen Auge die Brandung beobachtend, mit dem anderen die Fischadler und Krebse erwischte mich nur einmal ein Doppelbrecher. Beim enttäuschend blassen Lac Rose legte ich einen grossen Richtungswechsel ein. Jetzt geht’s nicht mehr Richtung Südwesten sondern Osten. Mit schwindendem Appetit kämpfte ich mich über sandige Pisten durch die Erdnussernte Richtung Mali. Plötzlich gesellten sich zu keinem Hunger, Fieber manchmal Kopfschmerzen und später Durchfall. Die Symptome erinnerten zu stark an Malaria um sie einfach ignorieren zu können. So besuchte ich obwohl präventiv Malariamittel schluckend das Spital in Kedougou. Zwischen vier privaten Handyanrufen fand der Arzt doch noch Zeit mich zu untersuchen bzw. die Medikamentenliste zu schreiben. Nebst den Arztkosten werden auch die Medikamente stark vom Staat verbilligt. So kossteten die fünf farbigen Pillensorten die ich nun schlucken durfte gerade mal 15 Euro.
Wieder einmal waren mir die Zöllner äussert freundliche gesinnt. Als sie erfuhren, dass ich krank bin, wurde ein Büro- zum Krankenzimmer umfunktioniert und ich wurde verpflegt und umsorgt wie in einem Schweizer Spital.
Die Präparate von Roche, Novartis und Co. liessen mich leider ihre Nebenwirkungen spüren. Physisch ging es mir schnell besser, psychisch jedoch immer schlechter. Nebst keinem Appetit wurde mir übel wenn ich das Essen roch oder sogar nur das Feuer. Ich mochte nicht mehr sprechen, keine Leute mehr sehen... einfach Zeit zum Weiterfahren. Über äusserst holprige Pisten oder eher Wanderwege fuhr ich nach Mali. Da mein Visum nur bis Ende 2006 gültig war, musste ich um eine Verlängerung zu erhalten, möglichst bald Bamako erreichen. Ich wusste noch nicht, dass dem armen Radler, dem in Nouakchott das Visum gratis abgeändert wurde, weil er langsamer unterwegs ist auch ein anderer Visumstyp ausgestellt wurde. Gültig zwei Monate nach dem Einreisen und nicht wie in der Schweiz beantragt für Monat X und Y.

Nach sehr staubigen Pisten, ich musste jeweils eine Minute warten, damit ich die Schlaglöcher wieder sah nachdem ein Laster vorbeigedonnert war, erreichte ich Bamako.
Da ich auch nach der Malariabehandlung manchmal Fieber hatte, suchte ich erneut ein Spital auf und liess mein Blut testen. Mit dem Ergebnisse negativ, was aber auch so sein sollte wenn die medikamentöse Behandlung angesprochen hatte. Die Blutwerte waren aber derart schlecht, dass ich von neuem einen Haufen Pillen aus Basel schlucken darf.

Werde einige Tage in Bamako bleiben, mich erholen und rote Blutkörperchen produzieren. Weiter geht’s Richtung Timbuktu und dann südwärts nach Burkina Faso.

Senegal
Die Nationalgerichte in Senegal haben eine grössere Bedeutung als in der Schweiz. Für viele Familien gibt es täglich am Mittag "Tschaebu Tschaen" und morgens und abends Couscous. Gegessen wird nicht mit den Fingern, sondern mit der ganzen Hand aus einer "Hulahop-Reifen" grossen Schüssel. Wer wo bei wem isst, spielt keine Rolle, dort wo du gerade am Schatten sitzt, wirst du eingeladen.
Südlich der Sahara wird der Islam etwas anders - freier interpretiert. Kleiderregel für Frauen gibt es hier nicht, ganz im Gegenteil. Viele Bilder des Alltages würden in Amerika zensuriert werden. Auch die Verehrung der Marabuts (Heilige Führer) ist eine Eigenheit.

Manchmal hatte ich das Gefühl, hier werde der Weisse immer noch als etwas Besseres betrachtet. Während mir in Nordafrika jedes zweite Mal beim Essen Messer und Gabel angeboten wurde, geschieht das hier ausnahmslos. Der "Dubap" (Weisse) bekommt immer den Stuhl und einmal wurde mir sogar ein Sandwich in einem Laden gekauft. Auf die Frage warum ich nicht mit der Familien essen darf, wurde mir gesagt: "Das afrikanische essen ist zu schlecht".

Gruss Radian

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