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Vom Wohnen im Armenviertel ueber die Arbeitsmentalitaet zum Festefeiern in Botschaftskreisen...
Ausgehungert, wegen Erbrechen hatte ich die letzten 260 km nicht gegessen, erreichte ich im Schlepptau von Fix, dem belgischen Radlerfreund, doch noch Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens. Erholen, Visa besorgen, Material reparieren und Webseite updaten war angesagt. Der Internetcafebesitzer teilte mir mit, dass jeweils ein deutsches Radlerpaar bei ihm Kunde sei. Beim ersten Treffen schwatzten wir zehn Stunden bis spät in die Nacht. Katrin und Wolfram waren in Deutschland selbständige Kommuni-kationsberater, heirateten und befinden sich seit 1.5 Jahren auf ihrer Flitterradtour rund um die Welt. Sie haben in Nouakchott von Koffi, einem Togolesen, ein Zimmer angeboten bekommen und schreiben ihr erstes Buch „Der lange Weg vor der Reise“ (siehe www.starbiketour.de). Da ihr Webmaster sie im Stich gelassen hat, ist ihre Webseite seither in deren Urzustand geblieben. Auch ein Auberge- und der Internetcafebesitzer bekundeten Interesse am Webseitenbau, ideal um einen Workshop durchzuführen. Als es jedoch konkreter wurde und für mich die Nachhaltigkeit (Seite nach dem Erstellen selber verwalten) eine Voraussetzung war, blieben nur noch die Starbikers übrig. Zuerst arbeiteten wir im Internetcafe, in welchem ich zuvor ein Imagesystem zum Warten der Computer eingerichtet hatte, das wegen zuwenig Interesse und Eigeninitiative jetzt wohl gar nie gebraucht wird. Meine ersten direkten Erfahrungen mit der hiesigen Arbeitsmentalität… lieber tagelang Musik und Videos herunterladen oder Tee trinken als sich Gedanken über Effizienz und Kundenfreundlichkeit zu machen. Ruhe, keinen Stress, immer Zeit zum Plaudern und sicher weniger Burnouts sind die Vorteile. Die zweite Arbeitsstation war bei Koffi zu Hause, bis er die Wohnung kündigte. Dann durfte ich nach PC-Reparaturen die Maschine in einer Tagsüber-Geldwechselstube benutzen. Am Abend schufteten wir bis um 2300 Uhr in der GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) weiter, wo Katrin und Wolfram Arbeit gefunden hatten. Fertig gestellt wurde die Seite nach dem Einholen verschiedener Offerten, in einem weiteren Cybercafe zu besseren Konditionen. (Katrin und Wolfram schrieben mir kürzlich, dass nach meiner Abfahrt das Cybercafe plötzlich verschwunden war, natürlich mit ihrem vorausbezahlten Geld.)
So oft wir Computer wechseln mussten, so oft verlegte ich auch meinen Wohnsitz. Von der Auberge Sahara zog ich mit Katrin und Wolfram zusammen in ein Armenviertel. Wegen Platzknappheit richtete ich mich zwischen zwei Parabolspiegeln auf dem Balkon ein. Der cholerische Vermieter wollte aber beim Einziehen nichts mehr davon wissen, dass wir die zähen Preisverhandlungen für drei Personen geführt hatten. Mit Müh und Not und Nachbezahlen durfte ich doch noch eine Woche bleiben. Bei meiner Zeitschätzung berücksichtigte ich die Hosting-Unterschiede, die PC Verfügbarkeit und die Schulung der neuen Webmaster zu wenig. Die Woche war um und die starbiketour.de immer noch nicht online. Nach einer Schlafmöglichkeit herumfragend, wurde ich von Ulrike und Kalle Jung in ihr Gästezimmer eingeladen. Seit ich in Grenada, Spanien bei der Feuerwehr zu Gast war, nach drei Monaten wieder ein mal ein richtiges Bett! Ich kam mir vor wie ein heimgekehrter Prinz im Königspalast. Wunderbares Essen, unerschöpflicher Kühlschrank, Dusche sogar mit warmem Wasser und eine Waschmaschine. Gegenüber den Hausangestellten konnte ich das schlecht Gewissen, mich bedienen, zu lassen nie ganz abbauen. Auch mit dem Wissen, dass einige von ihnen sonst ihre schwierige, illegale Reise nach Europa ohne diese Arbeitsmöglichkeit fortgesetzt hätten. Für die Gastfreundschaft revanchieren, konnte ich mich jeweils mit dem Lösen von PC-Problemen und bei Jungs mit der Mithilfe bei den Geburtstagsfeier Vorbereitungen. Ulrike hatte danach einen Filmauftrag im Hinterland Mauretaniens zu erfüllen und so stand ich wieder einmal ohne Dach über dem Kopf da. Der Kreis der Deutsch Sprechenden in Nouakchott ist klein und beschränkt sich fast ausschliessliche auf Botschaftsmitarbeiter und Entwicklungshelfer. Ich stellte fest, dass der Film „Ernstfall in Havanna“ nicht einfach frei erfunden ist. Tipps und Informationen des deutschen Botschafters über Nigeria aufsaugend, mich beim Buffet - welches nur mit „des Radlers Traum“ bezeichnet werden kann- bedienend, knüpfte ich neue Beziehungen. Die nächsten paar Tage durfte ich bei Gepperts logieren. So langsam zog es mich aber wieder aufs Rad. Aus dem gedachten Stopp (das Wort planen gibt es nicht mehr auf meiner Reise) von ein paar Tagen waren bereits fünf Wochen geworden… und die Website immer noch nicht fertig! Als Gepperts auf eine Rekognoszierungstour gingen, zog ich von den Villen wieder zurück ins Armenviertel zu Katrin und Wolfram. Ich setzte uns die Deadline von 3 Tagen, denn dann wollte ich fahren. Nur knapp überschritten wir die Todeslinie nicht, in der einbrechenden Dunkelheit pedalte ich Richtung Senegal los. Die Nacht verbrachte ich ausgangs Nouakchott in einer Gefängniszelle. Zum Glück als Gast der freundlichen Polizisten. Ein Bericht über micht aus einer anderen Sicht... Impressionen von Mauretanien Mauretanien gehört weder zum arabischen Nordafrika noch zu Schwarzafrika sondern liegt irgendwo undefinierbar dazwischen. Im Gegensatz zu Marokko wurden die Ramadangesetze auf offener Strasse, von sonst gläubigen, fünfmal täglich betenden Muslimen, gebrochen. Die Kleider- und Anschauverhaltensregeln werden viel weniger strikte eingehalten. Für mich eine Überraschung, bezeichnet sich Mauretanien doch als „Islamische Republik“. 75 % der Fläche Mauretaniens wird als Wüste bezeichnet. An meinem letzten Tag nach 580 km, ganz im Süden habe ich das erste Mal einen bestellten Acker gesehen. Ansonsten nur Hirten mit Kamel-, Schaf-, Esel- oder Ziegenherden. Im ganzen Land gibt es keine Verwendung für Kreditkarten und ich habe nie ein Produkt angeschrieben mit Made in Mauretania gefunden. Alles wird importiert, was sich natürlich in den Preisen niederschlägt. Obwohl pro Quadratkilometer durchschnittlich gerade mal 2,2 Personen leben (Schweiz 180) wachsen die Städte schnell. Fast alle Nomaden sind sesshaft geworden und zusätzlich wird der Strom schwarzer, junger, arbeitsuchender Menschen heute hier gestoppt oder stark gebremst. Abkommen verschiedener Länder mit der EU bzw. repressive Massnahmen machen das Weiterkommen in den Norden immer schwieriger und gefährlicher. Fast jedes längere Gespräch mit jungen Leuten führt irgendwann zum Thema, wie komme ich nach Europa oder noch konkreter ob ich nicht helfen könnte... Ich schreibe diese obigen Zeilen im Wissen, dass meine Sicht durch den langen Aufenthalt in der Hauptstadt Nouakchott nicht objektiv sein kann bzw. nicht für das ganze Land zutrifft.
Pleite Pech und Pannen Diesen Abschnitt habe ich eingestellt. Beinahe einen Drittel meiner frühren Berichte handelten von negativen Erlebnissen. Dies ist aber in keiner Weise proportional zu dem bis jetzt Erlebten. Neu findet ihr diese kurzen Berichte, positive wie auch negative, in der Rubrik Kurzgeschichten.
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