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27.07.2006 Barcelona - Algeciras PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Saturday, 29 July 2006
Habe Gibraltar und Algeciras erreicht. Leider mit defekten Felgen. Warte auf Ersatzmateriel und lebe als Hafenratte in Algeciras.

Barcelona - Algeciras

Das erste Mal so richtig am Meer, radelte ich nach Valencia und traf auf das Alinghi-Team (siehe nächstes Kapitel) und den Papst. Bereits 3 Tage im Voraus wurden unzählige Gross-LED-Anzeigen und Lautsprechertürme aufgebaut und die Stadt mit Weiss-gelb geschmückt. 2½ Stunden stand ich am Absperrgitter in der Sonne und verteidigte meinen Platz um das Papstmobil mit 20 km/h vorbeifahren zu sehen. Ok, so lange warten wäre nicht nötig gewesen. Da ich aber kein Ticket hatte, getraute ich mich, einmal an den Wachen vorbeigeschmuggelt, nicht mehr aus der abgesperrten Zone. Über 1 Million Leute waren in die Stadt gepilgert um am Fest zu Ehren der Familie teilzunehmen. Grosse Teile der Stadt waren für Autos gesperrt, die Parks wurden zu Campingplätzen und Papa-Sprechchöre und Gesänge waren die ganze Nacht zu hören.

Tagelang fuhr ich der Küste entlang durch endlose Gewächshausanlagen, Hotelkomplexe oder überfüllte Strände. Die üblen Gerüche verlassend, floh ich in die Sierra Nevada. Die geplante Bergtour auf den Mulhacén, 3483 müM, dem höchsten Punkt auf Spaniens Festland (top2top europe), fiel dem Überschreiten des Taupunkts zum Opfer, d.h. es regnete...

Mit Grenada und der Alhambra erreichten mich die ersten Vorboten der Arabischen Welt. Die etwas tieferen Temperaturen vorziehend, fuhr ich durchs bergige Hinterland nach Gibraltar und Algeciras.

Mich auf den Kulturschock freuend, werde ich dank Foto und Bericht in der Zeitung, mit neuem Namen - Manuel Perez -, und Wohnsitz Ceuta - für 33% des normalen Preises in die spanische Enklave übersetzen. Weiter Richtung Fes und Zagora, zurück in den Atlas, westwärts nach Agadir und dann durch Staub und Sand immer südwärts.


Besuch beim Alinghi-Team

Nicht ohne Hintergedanken schmückte ich vor Valencia den Bob nicht mit der neutralen gelben sondern der Schweizerfahne. Da der Alinghi-Shop noch geschlossen war, stellte ich mein Rad vor die Base und besuchte den für den 32. Americans Cup neu erbauten Hafen. Zurück im Shop, wurde ich von der Verkäuferin abgefangen und sofort wurde nach dem Alinghi-Fotografen und Kameramann gesucht. Mehrmals fuhr ich in die Base und zur neu eingetroffenen SUI-91, wurde gefilmt und fotografiert. Konnte mit den Teammitgliedern plaudern, wurde interviewt, vom Ernährungsberater mit Energieriegeln und dem Alinghi-Müesli ausgerüstet und der Steuermann, Jochen Schümann, überreichte mir ein Alinghi-Cap. Als Höhepunkt durfte ich die Boote SUI-91 und SUI-75 auf dem Beiboot beim Testen begleiten.
Als ich in einer Bar Teammitgliedern der Südafrikaner begegnete, wollten diese natürlich Alinghi überbieten und luden mich zum Segeln ein. Als ich am nächsten Tag erschien, war mein Platz in den nächsten Tagen leider an eine Messequipe vergeben….
Teile meines Alinghi-Besuchs wurden auf Eurosport gezeigt und sollten schon bald hier downloadbar sein...

Ich freue mich darauf in einem Jahr, in einer Bar tief in Afrika, Alinghi erfolgreich den Cup verteidigen zu sehen. Go Alinghi go. 

Für Bericht und Fotos auf der Alinghi-Seite klicke hier.
Um das Video herunter zu laden klicke hier (27 MB).

 

Nächtlicher Besuch

Spät abends legte ich mich an einem idyllischen Strand hin. Nach kurzer Zeit schreckte ich hoch. Jemand streichelte und knapperte mir am Ohr. Den Kopf drehend, starrte ich in die Augen einer ebenso erschrockenen Maus. "What the hell... I'm still alive" entfuhr es mir. Zu müde um Schlafplatz zu wechseln, schickte ich ihr ein Hundegebell nach und erwachte am nächsten Morgen zum Glück unangefressen.


Die Gesichter Spaniens

Nach der Frage ob mir die spanischen Frauen gefallen, wird seltener auch nach meinem Eindruck vom Land gefragt. Ich habe sehr viele Gesichter Spaniens entdeckt. Wunderschöne, einsame Berglandschaften in den Pyrenäen oder der Sierra Nevada stehen in starkem Kontrast zu überfüllten, mit Abfall übersäten Stränden. Auffallend sind auch die sehr üblen Gerüche. Gepinkelt wird z.B. an jede Supermarktwand und bei dieser Trockenheit...
Die Siesta und das lange, normale "Nachtleben" zeigt eine Lockerheit auf die man stolz ist. Als pünktlicher Schweizer und in der Morgenkühle Radelnder ist man über Ladenöffnung um 9.54 weniger erfreut, wenn auf dem Horario doch 8.30 steht. Wohl drum sind die Öffnungszeiten oft gar nicht mehr angeschrieben. Etwas weniger locker sind die Meinungen über die südlichen Nachbarn...
Einige Male wurde ich zum Essen, Übernachten oder Plaudern eingeladen. Besonders gefreut hat mich jedoch die Einladung einer Ferien machenden Schweizerfamilie. Das Gefühl, immer nur die Ausländer seien gastfreundlich, wurde dadurch relativiert.


Pleiten, Pech und Pannen

Da ich auf meiner Isoliermatte in der letzten Zeit schlecht schlief, liess ich mich vor der Abreise zu einer anscheinend sehr robusten, aufblasbaren Therma Rest Matte überreden.
Von den Mücken verfolgt, kroch ich nach einem Bad im Meer möglichst schnell in den Schlafsack. Der Schlaf war von kurzer Dauer. Nach 30 Minuten lag ich auf dem Harten. Am nächsten Morgen entfernte ich 30 "Wattebausch ähnliche" leider stachlige Objekte. Seit 3 Woche bin im am Flicken! Die Matte aufgeblasen, im Meer kniend, fahndete ich nach Löchern. Bei der ersten Aktion fand ich 43, lag aber in der darauf folgenden Nacht wieder auf der luftlosen Matte.
Durch Druck erhöhen konnte ich weitere 16 Löcher ausfindig machen. Beim vierten Versuch schluckte ich mehr Salzwasser als ich Löcher fand und beim fünften schwammen meine Kleider und Bücher plötzlich im Wasser, da das Hochpumpen in Spanien wären der Siesta geschieht...
Ich bin bei 1.5 Stunden Luft in der Matte angelangt, was zum Einschlafen längstens reicht und mittlerweile schlafe ich auch gut ohne Luft.

Martin, ein Deutscher, der in Barcelona Top-Fahrräder baut und mein Gefährt bei meinem Barcelonabesuch unter die Lupe nahm, stellte sehr gut gefertigte aber zu stark angespannte Speichen fest. Ich solle die Felgen im Auge behalten. Heute bin ich mir "gröiig" die Räder nicht neu zentriert zu haben. Nach bereits 3662 km sind die Felgen futsch. Da hier ausser Decathlon niemand mir die Räder neu einspeichen will, und ich auf meinen DT Swiss 240 Naben beharre, schickte ich diese nach Barcelona zu Martin und friste nun im sehr spannenden Hafen von Algeciras ein Leben als Hafenratte.

Gruss Adrian

Bilder

 
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