Zur falschen Zeit auf dem falschen Rastplatz...
BBC hörend, liege ich zehn Meter vom Strassenrand entfernt hinter Büschen, verdaue Brot und Knieschmerz lindernde, proteinreiche Erdnussbutter. Jäh werde ich aus dem Halbschlaf gerissen. Um mich schlagen faustgrosse Steine ein. Ich springe überrumpelt auf, und schaue verwirrt um mich. Zwei Männer ducken sich hinter den Büschen um von der Strasse her nicht gesehen zu werden. Unverständliches schreiend, schmeissen sie immer neue Brocken nach mir. Es ist unmöglich im Bruchteil einer Sekunde vernünftige Entscheidungen zu treffen. Man reagiert viel mehr instinktiv. Alles was ich wollte, war nach meiner einzigen Waffe zu greifen, meinem noch nie verwendeten Pfefferspray mit natürlich viel zu geringer Reichweite. Das Fahrrad stand jedoch etwas entfernt, in Richtung der Angreifer. Während den paar Sprüngen zum Rad entdecke ich einen Vorteil meines Standortes. George W. Bush Junior hätte diese Müllablage bestimmt als Massenvernichtungswaffenlager eingestuft. Die Umgebung ist übersäht mit Holzstöcken, Eisenstangen und Glasflaschen. Hastig greife ich in die Lenkertasche, bekomme aber nur die Bärenpfeife zu greifen, den einzigen Gegenstand den ich aus einem chinesischen Billig-Survival-Kit nicht weiter verschenkt hatte. Die beiden Banditen haben alles erwartet, nur nicht, dass ich auf sie zukomme. Schon rennen sie, der ohrenbetäubende Pfiff hat noch beschleunigende Wirkung. Jede Geschichte will einen etwas lehren, so auch diese: auch wenn dein Adrenalinspiegel Weltrekorde schreibt, halte dir die Ohren zu bevor du mit Todesangstkräften in die Rettungspfeife pustest! Halb taub, schockiert und verunsichert, mache ich mich aus dem Staub. Nach einem halben Kilometer in einer extremen Steigung, stehlen sich junge Männer geduckt der Strassenböschung entlang. Erleichtert stelle ich fest, dass sie es diesmal nicht auf mich, sondern auf ein Objekt hinter mir abgesehen haben. Sekunden später röchelt ein schwer beladener, paradiesisch duftender Lastwagen an mir vorbei, oben auf der Ladung die drei Diebe. In hohem Bogen fliegen die reifen Ananas vom Laster. Geschickt springen die Räuber in den von den Rückspiegeln unerreichten Winkel ab, bevor das Gefährt an Geschwindigkeit gewinnen kann. Mit dem Hinweis, dass ich keine gestohlene Ware esse, lehne ich ihr grosszügiges Geschenk ab. Auch die nächsten Strassenräuber, ein paar Kilometer später, wollen mich beschenken. Die Einschätzung, dass dies ein Trick armer, verzweifelter, hungriger Leute ist, verliert ihre Gültigkeit. Mit den neusten Mobiltelefonmodellen und Headsets spielend, essen sie nur gerade die besten Stücke der erbeuteten Früchte. Mehr als die Hälfte landet im Strassengraben. |