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Zwei weihnächtliche Begegnungen in Kapstadt… PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Friday, 09 January 2009

… die Unterschiedlicher nicht sein könnten.


Ich spurte ein zur Rechtsabbiegen (Südafrika hat Linksverkehr) und fuhr  – ok, ich muss zugeben, absichtlich - in der Mitte der Spur um vom aggressiven Verkehr überhaupt wahrgenommen zu werden. Es hupte zwei Mal hinter mir, was mich nicht einmal zum Kopfdrehen veranlasste. Mitten auf der Kreuzung brauste das hupende Minibustaxi nur ein paar Zentimeter an mir vorbei. „Smak“ klatschte einen Peitschenhieb auf meinen Rücken. Ich traue meinen Ohren, Augen und Rückenhautnerven nicht. Und explodiere zur selben Zeit vor Wut.
Keine Erfahrung mit Peitschen habend, muss ich sagen, dass sie auch den Menschen anspornen. Mit voller Kraft trat ich in die Pedale und nehme die Verfolgung auf. Das lasse ich mir nicht bieten!
Nicht MEHR bieten. Ein Punkt wo mich meine Reise (oder Afrika) verändert hat. Ob Kinder die Steine schmeissen, eine Nigerianische Offizierin die meine Kamera zerstören will, Busse die überholend, meine Spur belegend auf mich zurasen oder Trickdiebe die an mich drängen um meine Taschen zu leeren, ich wehre mich. Auch wenn die Folgen nicht absehbar sind und weit aus schlimmer sein könnten.  
Im Windschatten eines anderen Minibustaxis erreiche ich schäumend vor Wut den Zentralbahnhof und Taxistand. Der Peitschenbesitzer (Zielquartier-Schreier, Taxitüröffner und Fahrgeldeintreiber) erblickte mich und rennt davon. Ich knöpfe mir den Fahrer vor und beschimpfe ihn mit Worten, die ich hier nicht wiederholen möchte. Der schreit ebenso zurück was natürlich eine Menschenansammlung zufolge hatte. Das Taxi voller Zeugen und keiner sagt was. Wütend schlage ich den Spiegel ans Taxi (ohne dass er einen Kratzer abbekommt). Der Fahrer schlägt ganz ein und gibt Gas. Versucht mich umzufahren. Plötzlich bemerke ich, dass der Geflohene Täter zurückgekommen ist.  Zu spät. Erschlägt mir mit der Peitsche mitten ins Gesicht rennt zu Taxi und weg sind sie. Erst jetzt kommt ein halbherziger, ungenügender Versuch eines Gaffers die Taxicrew zu stoppen.
Schockiert, geschlagen und gepeinigt radelte ich weg und versuche fassungslos zu begreifen was soeben passiert war. Erst jetzt fällt der Adrenalinspiegel. Die Wut machte hoffnungslosem Unverständnis Platz und ich nehme das Blut war, dass mir die Wange runter läuft.

Am 24. Dezember kurbelte ich, das Ereignis vom Vortag verarbeitende, 30 km durch Kapstadt zu Freunden die mich fürs Weihnachtsfest eingeladen hatten. Da ich viel Zeit hatte fuhr ich im Entdeckermodus. Ohne Karte mal links mal rechts abbiegend in die gewünschte Himmelsrichtung. Im Zielquartier angekommen hielt ich bei einer grossen Kreuzung Ausschau nach der gesuchten Strasse haltend. Die Ampel schaltete auf rot und ich beschloss der nächste Fahrer nach der Richtung zu fragen. Während dem Rückwärts Manövrieren brauste ein sportliches Mercedesbenz  SLK Cupe heran. Als ich mich näherte wurde zuerst das Fenster geschlossen.  Mein Vehikel schien aber Eindruck zu machen, Angst abzubauen und Neugierde zu wecken.  Das Fenster surrte wieder nach unten.  Nach wenigen Fragen meinte das Paar, dass sie auf dem Weg zu Familienangehörigen seien.  Ich müsse mit zum Weihnachtsessen kommen, sie hätten ein grosses Haus, fünf Schlafzimmer, seien alleine, ich könne dort wohnen, so lange ich wolle. Südafrikanische Gastfreundschaft!   Am Vortag hagelte es noch Peitschenhiebe aus dem Autofenster.
Meine Erklärung, ich hätte bereits eine Einladung wurde nur widerwillig akzeptiert. Mindestens zu meiner gesuchten Strasse wollten sie mich dafür lotsen. Wenn ich auf etwas nicht Lust hatte, dann auf eine Autoverfolgungsspiele. Noch nie hatte ich es geschafft nicht völlig verschwitzt anzukommen. Erst das Argument, dass ich schon ein paar Monate in Afrika unterwegs bin und es bis nach Kapstadt runter geschafft habe, überzeuge die männliche Seite. Zu zweit versuchten wir nun der mütterliche Fürsorge einhalt zu bieten. Erst nachdem ich hoch und heilig versprochen hatte, sie anzurufen und zu besuchen durfte ich meinen Weg doch noch fortsetzen.
 
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