| 14.12.2008 Outjo - Cape Town | | Print | |
| Written by Adrian Guggisberg | |
| Thursday, 18 December 2008 | |
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Durch die namibianischen Wüsten der Ziellinie entgegen...
In Namibia komplettierte ich meine zweite Afrikaquerung, diesmal vom Indischen Ozean zurück an den Atlantik. Ich feierte das Ereignis an einem 30 Kilometer langen Sandstrand für mich alleine. Das Bad während des bezaubernden Sonnenuntergangs war die Belohnung. Dass ich der einzige Badegast war, ist nicht erstaunlich. Das Meerwasser kommt direkt von der Antarktis, die Kälte stellte mir die Luft ab. Kuiseb Pass hiess die nächste Herausforderung. 147 km bergan durch die Namib - Desert, auf einer Wellblechpiste. Auf einer schiefen Ebene der ein Dünen-Sinus überlagert ist, von Meereshöhe auf 1480 M. ü. Meer. Auf der gesamten Strecke von 232 km gab es kein Wasser was zusätzliche 22 kg bedeutete. Wenn der Schweiss am Berg in Strömen fliesst, ist mein mentaler Trost, dass mit jedem 100sten Höhenmeter die Temperatur um 0.7 Grad C abnimmt. Nicht so hier. Ich startete auf Meereshöhe bei 17°C (Antarktis Meeresströmung) und endete bei 39°C. Je menschenfeindlicher die Umgebung, desto freundlicher sind Leute. Die 4x4-Farhrer hielten so regelmässig (und plünderten ihre Lebensmittelvorräte zugunsten des verrückten Radlers), dass ich mit zwei Wasserflaschen locker durchgekommen wäre. Einige Kilometer weiter südlich überquerte ich den Sonnenwendkreis. Nie mehr wird die Sonne senkrecht auf mich herunter braten. Thermometer habe ich keines mehr, aber es war so heiss, dass ich den Lenker mit weissem Klebeband umwickeln musste um ihn berühren zu können. Nach dem Mittag konnte ich dem Wasser aus den Plastikflaschen einen Teebeutel zugeben... Die Idee mit dem Fiebermesser die Temperatur zu messen, misslang. Nach dem herunter Schütteln sprang das Quecksilber sofort wieder zum Anschlag auf 43°C. Einmal traf ich in der Morgenfrühe auf drei Motorradreisende die auf dem Weg nach Kairo sind. Während ich meine Kongotipps weiter gab, bemerkte ich, dass der eine seinen Blick nicht mehr von meinen Fahrradschuhen (oder den paar Löchern die nach 39100 km und 17 mal flicken noch übrig sind) abwenden konnte. Bei der Frage ob meine Webseite über eine Spendenfunktion verfüge, verneinte ich verwundert. Beim Verabschieden drückte er mir ein Röllchen Noten in die Hand mit den Worten "für neue Schuhe"... Die Grenze zu Südafrika ist erreicht, meinem letzten Reiseland! Erneut erlebte ich wie unterschiedlich Afrika ist. Während unzähligen Flussquerungen in wackligen Einbäumen fürchtete ich, mein Rad werde auf Nimmerwiedersehen in den Fluten versinken. Hier, wo eine Autofähre den nur 30 Meter breiten Oranje-River überquert, musste ich mit Unterschrift bestätigen, dass keine Haftung übernommen werde und für 2 Minuten eine Schwimmweste überziehen. Endlich! Das Herz droht aus der Brust zu springen. Dort im Dunst, noch mickrige 100 km südlich, ragt ein Berg in den Himmel. Ein Berg der flach ist wie ein Tisch. Table-Mountain! Das Wahrzeichen Kapstadts! Ich bin da! Ich schreie es in den Gegenwind. I did it. I fucxxxx did it! Zwei Personen wollte ich vor den Toren Kapstadts besuchen die die gegensätzlichen Erlebnisse und Begegnungen auf meiner Reise nicht schöner widerspiegeln könnten. Einen Diamantenmine-Besitzer einerseits und andererseits einen kongolesischen Immigranten der sich mit Wächterjobs durchschlägt. Keiner der beiden war anzutreffen, und so konnte ich mir die Kapstadt-Ankunft nicht zum 30. Geburtstag schenken da ich zwei Tage zu früh ankam. Auch wenn bei einer solchen Radreise der Weg das Ziel sein muss, bleibt das Ziel ein Ziel. Unzählige Male, beim Erklimmen der steilen Pässe im Atlasgebirge, in der Saharahitze, beim Kämpfen gegen den Harmattanwind, während den Malariaschüben, auf der endlosen Wellblechpiste nach Timbuktu, den Platzregen in Kamerun, dem Kongoschlamm, mit gefrorenen Fingern in den Bergen von Simbabwe, beim Rad stossen durch die Namib - Desert malte ich mir die selbe Szene aus. Das Erreichen des Ortschildes mit den Lettern "Kapstaad". Und nun steht es vor mir. Oder, es würde vor mir stehen, wenn es ein Schild gäbe. Nach 927 Tagen, 40146 km radeln, 2314 Stunden im Sattel und Millionen von Schweisstropfen - am Ziel. Ein Olympiasieg? Einer der persönlichen Sorte auf jeden Fall. Jeder richtige Sportler weiss, dass mit dem Erreichen der Ziellinie noch nicht fertig ist. Entweder begibt man sich zum Auslaufen oder auf die Ehrenrunde. So auch ich. Es wäre eine Schande nur gerade die Westküste von Südafrika zu sehen wenn ich schon mal da bin. Darum werde ich noch ein paar Wochen (Monate) anhängen um via Garden Route, Wild Coast, Leshoto nach Durben zu pedalen, also die Ehrenrunde. Dort befindet sich der grösste Hafen Südafrikas und ich hoffe ein Frachtschiff oder eine Jacht für meine Rückkehr nach Europa zu finden. Auslaufend werde ich zurück nach Fraubrunnen radeln, dort wo im Frühling 2006 die Tour begann. Grüsse vom Kap der Guten Hoffnung
Namibia, das Land der Zäune Kaum ein Land verfügt über so viele Attraktionen wie Namibia. Der Tourismusboom ist enorm. Lodges schiessen wie Pilze aus dem Boden und die Pisten sind voll von Miet-4x4s. Ich musste vorsichtig sein, dass die Farmen die ich zum Übernachten ansteuerte, nicht über B&B oder Zeltplätze verfügten. Nicht dass ich diesen Luxus generell ablehne, aber ich bin nicht ein Tourist der in seinen Ferien nicht gestört werden und der sich erholen will. Meine Reise lebt von den Gesprächen mit den Einheimischen, meinen Eindrücken von ihren Lebensbedingungen. Viele Leute die mit Touristen arbeiten, beschönigen, verschweigen und mögen nicht jeden Abend das selbe erzählen. Namibia verfügt über eine der geringsten Mensch - pro - Quadratkilometer - Raten, dafür über das grösste Schlangenaufkommen weltweit. Fast täglich begegnete ich den oft giftigen Tieren, meistens leider platt gefahrenen Exemplaren. Die Kulturunterschiede erlebte ich in keinem Land so riesig. Man reibt sich drei Mal die Augen, wenn man in einem dank Klimaanlage herunter gekühlten Supermarkt nach westlichem Standard, barbusige, mit Butterfett und Ockerfarbe von Kopf bis Fuss rot angemalte, stark nach dem Harz des Omuzumba-Strauches riechende Ovahimba Frauen begegnet. Die traditionsbewussten Stämme befinden sich zwischen Stuhl und Bank. Eingeklemmt zwischen Tourismus, dem modernen Leben, ihren Traditionen, der Notwendigkeit plötzliche Geld haben zu müssen (Schulen, Arzt, Zucker und Tee… Mobiltelefon), dem Klimawandel und HIV/Aids. Der oft gewählte Ausweg heisst Alkohol. Die Strassen und Pisten sind meist in hervorragendem Zustand, aus der Autofahrer- Perspektive. Während in vielen afrikanischen Ländern nicht ein mal ein Wegweiser zur Hauptstadt existiert, sind hier selbst unwichtige Pisten in abgelegenen Wüstenabschnitten mit Strassenschildern ausgestattet. So gut und übertrieben, dass ich es als Affront gegenüber der Bevölkerung empfand. Einheimische leben in 2x2 - Meter - Lehmhütten und dem Tourist wird signalisiert, dass sich die täglich zwei bis drei mal befahrene Piste während den nächsten 600 Metern nach links krümmt.
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