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Vom tansanischen Militaer verhaftet PDF  | Print |
Written by Adrian Guggisberg   
Friday, 14 March 2008
Ich, ein CIA Agent

Goldenes Abendlicht ergiesst sich über die alten, verfallenden Wohnblocks. Bizarre Schattenmuster von der wirren Aussenverkabelung und Freiluft-Sanitärröhre werden auf die fleckige Fassade geworfen. Extra bin ich noch einmal zurückgeradelt und ein Junge hat mir das Fotografieren erlaubt. Mütter am Wasserholen, andere vor den 7 stöckigen  Wohnsilos im Vorhof auf dem Boden kauernd, sind am kochen, Kleinkinder die herumkrappeln. Eine Frau schreit, ein Mann kommt angerannt. “Bewilligung zeigen” bellt er mich an “ das ist eine Militärbasis.” Ich kann ihn nicht ernst nehmen und lasse einen Spruch über die herumkriechenden Kindersoldaten fallen. Ein gravierender Fehler, denn tatsächlich hängt an einer Wäscheleine eine einsame Uniform. Ein Motorrad mit zwei Soldaten wird herbeitelefoniert und ich zur wirklichen Militärbasis eskortiert.
Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig. George Bush ist in der Stadt, ein riesiges Militär- und Polizeiaufgebot, alle sind nervös und gereizt. Wieder wird mein Vergehen in der für mich unverständlichen Lokalsprache vorgebracht. Ich poche auf Englisch, werde aber sofort zu Recht gewiesen, wer da das Sagen habe. Als ich die Worte CIA-Agent aufschnappe, zieht es mir unweigerlich die Mundwinkel nach oben = das nächste Vergehen. “Ihr Weisse habt keinen Respekt und nehmt unsere Armee nicht ernst”. Ein Minderwertigkeitskomplex, mit welchem ich schon in Nigeria konfrontiert wurde, zeigt sich auch hier. Aber durchaus auch ein Schluss zu dem man kommen kann, war ich doch ohne Durchsuchen meines vollgestopften Plastiksackes und der Fronttasche durch das Tor gebracht worden. Auch die Personalien des CIA-Agenten scheinen uninteressant und das Kreuzverhör an dem mindestens zehn Soldaten und Offiziere teilnehmen, macht mir einen leicht unprofessionellen Eindruck.
Gnädigerweise darf ich meine Sicht der Dinge auch noch darlegen. Es sei für mich schwierig ohne Zaun und Schild herauszufinden, dass es sich bei den Wohnblocks um Armeegebäude handelt. Sie bestehen darauf den Film meiner Digitalkamera zu vernichten. Die vorsichtige Frage, ob ich den Löschvorgang vornehmen dürfe, ist der gezielte Sprung in den nächsten Fettnapf. “Du hältst uns für technisch Minderbemittelte!” Ich weigere mich standhaft ihnen meine Kamera auszuhändigen, als ein anderer einspringt und mir eröffnet, sie müssten beraten und würden dann das Urteil verkünden.
Was dann geschah, wird für mich immer ein Rätsel bleiben. Dass mein Schutzengel ihnen Geld zusteckte oder der Uhrzeiger auf 18.00 Uhr und damit Feierabend sprang, sind Vermutungen. Sie verhalten sich plötzlich wie umgekrempelte Handschuhe. Sich entschuldigend, überprüfen sie, dass ich die Fotos wirklich lösche und entlassen mich in die Freiheit. Auch ich entschuldige mich, schüttle zum Abschied die Hände und bis auf mein Verhafter – der den Gesichtsverlust verarbeiten muss und mir nicht in die Augen schauen kann – ernte ich überall ein Lächeln.

 
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© 2012 to-adi - Adrian Guggisberg